StartClim2017: Das Pariser Übereinkommen und die Nachhaltigen Entwicklungsziele: Fragestellungen für Österreich

Im Rahmen von StartClim wurden heuer zum 15. Mal Projekte vergeben. StartClim versteht sich als Forschungsprogramm, das hilft, Anfänge zu setzen. Dies gilt vor allem thematisch, indem Projekte gefördert werden, die Fragestellungen aufgreifen, die für Österreich neu und im Hinblick auf die nationale Anpassungsstrategie von besonderem Interesse sind.

Die österreichische Anpassungsstrategie ist ein Meilenstein im Umgang mit den Folgen des Klimawandels. Die Strategie gliedert sich in ein strategisches Rahmenwerk („Kontext“) und in einen Aktionsplan. Der Kontext behandelt strategische Grundfragen und erklärt die Einbettung der Strategie in den Gesamtzusammenhang. Im Aktionsplan sind konkrete Handlungsempfehlungen zur Umsetzung in 14 Aktivitätsfeldern dargestellt.

Die Projekte in StartClim2017 bearbeiten Fragestellungen, die die Umsetzung von Handlungsempfehlungen aus der Strategie wissenschaftlich unterstützen. Dieses Jahr wurden vier Projekte zu drei verschiedenen Themenbereichen der Ausschreibung gefördert: "Auswirkungen des Übereinkommens von Paris auf Österreich", "Klimawandel und Extremwetterereignisse" sowie "Klimawandel und Gesundheit ".

StartClim2017.A: ClimBau – Das Übereinkommen von Paris und die Auswirkungen auf die heimische Bau- und Immobilienwirtschaft

Projektleitung: DI Mag. Lukas Clementschitsch
bauXund forschung und beratung GmbH

Kurzfassung

Die Bau- und Immobilienwirtschaft hat einen wichtigen Stellenwert in der österreichischen Wirtschaft, was den Beitrag zum BIP, die Beschäftigungswirkung sowie direkte und indirekte Umwelteffekte betrifft. Rund 6,5% des BIP und 7% der Beschäftigten (Statistik Austria 2015) sind dem Bauwesen zuzurechnen. Neben der volkswirtschaftlichen Bedeutung der Bau- und Immobilienwirtschaft haben die von ihr produzierten und betriebenen „Güter“ Gebäude, Infrastrukturen) große Auswirkungen auf das Klima und die gesamte Umwelt. In dieser Studie soll anhand eines Thesenpapiers, qualitativen Interviews mit wichtigen und repräsentativen Unternehmen (ca. 12 Interviews) und
einem StakeholderInnen-Workshop aufgezeigt werden, welche motivierenden Ansätze und regulatorischen Mittel es für die Bau- und Immobilienwirtschaft (inkl. Baustoffindustrie und Baulogistik) gibt, damit die Klimaziele von Paris erreicht und der Wirtschaftsbereich nachhaltig
„Klima-fit“ gemacht werden kann. Hauptergebnisse der Arbeit sind eine Priorisierung der wichtigsten Maßnahmen nach Beitrag zu den Paris-Zielen und die Erstellung eines „Paris-Fahrplans“, in dem die Maßnahmen hinsichtlich politischer und
wirtschaftlicher Machbarkeit bewertet werden. Insbesondere die Kenngrößen Energiebilanz der Baustoffe (Graue Energie), die Treibhausgasemissionen von Logistik, Betrieb/Raumwärme etc. und die Anpassungskapazität werden für die Identifizierung geeigneter
Maßnahmen herangezogen.

StartClim2017.B: Skalenübergreifende Evaluierung Extremwetter-bedingter Schadensfälle (SEVERE)

Projektleitung: Dr. Theresa Schellander-Gorgas
Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG)

Kurzfassung

Das Projekt SEVERE befasst sich mit dem Einfluss unterschiedlicher Großwetterlagen auf lokale Unwetterereignisse infolge von Niederschlägen. Dabei wird in einem innovativen Ansatz bewusst vom Impact, d.h. von dokumentierten Schadensereignissen, ausgegangen. SEVERE untersucht erstmalig die tatsächlichen Auswirkungen von Extremwettersituationen auf statistischer Basis, also jene Ereignisse, die ökonomischen Einfluss haben und im Fokus der Österreichischen Anpassungsstrategie stehen. Des Weiteren wird die übliche wissenschaftliche Vorgangsweise umgekehrt, d.h. dass großräumige Prozesse evaluiert werden um Aussagen über lokale Extremsituationen zu treffen: In SEVERE werden zunächst die lokale Schadensereignisse mit lokalen Niederschlagsdaten gekoppelt und kategorisiert und davon ausgehend die großräumigen Einflüsse ausgewertet. Ziel des Forschungsvorhabens von SEVERE ist es, neue Informationen über unwetterträchtige Wettereinflüsse zu gewinnen, die das vorhandene Wissen über das Auftreten von Extremereignissen im Klimawandel erweitern. Ermöglicht wird dieser Ansatz einerseits durch das umfassende österreichische Unwetterarchiv (VIOLA), dessen Schadenschroniken bis 1948 zurückreichen. Andererseits wird ein hochaufgelöster gegitterter Klimadatensatz (Spartacus, 1km Gitterweite) verwendet, der flächendeckende Niederschlagsinformationen auf Tagesbasis für das gesamte österreichische Bundesgebiet für den Zeitraum 1961-2017 bietet. Ein gegitterter Hindcast-Datensatz (seit 1979 bis aktuell, 9km Gitterweite, stündlicher Output) und Reanalyse-Daten lassen zudem genauere Rückschlüsse auf die Wetterverläufe zu, die zu den jeweiligen Extremereignissen führten.

StartClim2017.C: EXTEND (EXTreme EveNts Documentation) Dokumentation von physischen und sozialen Aspekten der Folgen von Extremwetterereignissen

Projektleitung: Assoc. Prof. Dipl.-Ing. Dr. Doris Damyanovic
Institut für Landschaftsplanung, BOKU Wien

Kurzfassung

Klimaveränderungen beeinflussen die Häufigkeit, Intensität und Saisonalität von extremen Wetterereignissen wodurch sich neue Herausforderungen für die Bewältigung von Naturgefahren ergeben. Die Dokumentation von Extremwetterereignissen erfolgt in Österreich durch mehrere Institutionen wie beispielsweise durch die Wildbach- und Lawinenverbauung oder die Geologische Bundesanstalt auf unterschiedliche Art und Weise. Dabei hat sich gezeigt, dass vor allem die systematische Erfassung und die gezielte Verarbeitung der Information einen wichtigen Beitrag zur Naturgefahren Prävention leisten kann. Die bei Ereignisdokumentationen erhobenen Daten umfassen primär physische und wirtschaftliche Schäden. Allerdings werden die Folgen von Katastrophen neben diesen Faktoren auch maßgeblich von sozialen Aspekten beeinflusst, jedoch in Ereignisdokumentationen oft nicht beachtet. Das Ziel des Projektes ist daher die Erstellung eines Leitfadens für die Schadensdokumentation in Österreich, die sowohl physische als auch soziale Aspekte kombiniert. Dadurch sollen in weiterer Folge Indikatoren zur Stärkung der Resilienz der gefährdeten Bevölkerung und Infrastruktur identifiziert werden. Eine systematische Dokumentenanalyse und Aufbereitung aktueller Methoden und Ansätze zur Dokumentation im Alpinen Raum (Österreich, Schweiz, Italien, Deutschland) liefert die Grundlage für die Erstellung eines Leitfadens, dessen Praxisrelevanz und Umsetzungsmöglichkeit durch ExpertInneninterviews relevanter Stakeholder im Bereich der Schadens- und Ereignisdokumentation sowie durch einen ExpertInnenworkshop sichergestellt wird.

StartClim2017.D: Monitoring neobiotischer Stechmücken der Gattung Aedes in Österreich

Projektleitung: Mag. Dr. Hans-Peter Fuehrer
Institut für Parasitologie, Veterinärmedizinische Universität Wien

Kurzfassung

Stechmücken sind als Überträger diverser Krankheitserreger (z.B. Flaviviren) von Bedeutung. Eine systematische und andauernde Stechmückenüberwachung gilt als das wirksamste Mittel, um zum Beispiel das Übertragungsrisiko von WNV und Dengue auf den Menschen vorherzusagen. Bisher sind 46 verschiedene Stechmückenarten in Österreich bekannt. Vier neobiotische Arten wurden bisher in Österreich nachgewiesen, die japanische Buschmücke (Aedes japonicus) sowie auch Culiseta longiareolata and Anopheles hyrcanus. Bisher wurden nur Einzelindividuen der asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus), ein bedeutender Krankheitsüberträger in vielen tropischen Ländern, nachgewiesen, aber ihre Einschleppung und Etablierung ist nur eine Frage der Zeit als Folge von intensiven Handel und Verkehr in einer globalisierten Welt und auch durch voranschreitende Erderwärmung. Da der Einfluß des Klimawandels nicht vorhergesagt werden kann, ist es umso wichtiger, die gegenwärtige Verbreitung und mögliche zukünftige Ausbreitung invasiver Mücken zu verstehen. Dadurch kann das zukünftige Vorgehen zur Mückenkontrolle geplant und festgelegt werden. Die Erfahrung aus vorrangegangenen Projekten hat ein reges Interesse der Öffentlichkeit an der Forschung über Stechmücken und ihre Rolle als Krankheitsüberträger, sowie deren Kontrolle und Vorbeugungsmaßnahmen, aufgezeigt. Im Rahmen dieses Projektes werden Eier von Stechmücken von teilnehmenden Freiwilligen in Ovitraps gesammelt und an die Spezialisten der Vetmeduni Vienna bzw. Dr. Walder geschickt. Wir hoffen, mit diesem Projekt den Nutzen von Citizen Science Projekten für zukünftige Stechmückenkontrolle hervorzuheben.

Nähere Informationen:

Nikolaus Becsi und Univ.Prof. Dr. Helga Kromp-Kolb
BOKU, Department Wasser-Atmosphäre-Umwelt
Institut für Meteorologie, Peter Jordan-Straße 82, A-1190 Wien
Tel.: 01/476 54/81418

startclim@boku.ac.at
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