StartClim2016: Klimawandel in Österreich - Grundlagen, Monitoring und Entwicklung weiterer Maßnahmen zur Anpassung

Im Rahmen von StartClim wurden heuer zum 14. Mal Projekte vergeben. StartClim versteht sich als Forschungsprogramm, das hilft, Anfänge zu setzen. Dies gilt vor allem thematisch, indem Projekte gefördert werden, die Fragestellungen aufgreifen, die für Österreich neu und im Hinblick auf die nationale Anpassungsstrategie von besonderem Interesse sind.

Die österreichische Anpassungsstrategie ist ein Meilenstein im Umgang mit den Folgen des Klimawandels. Die Strategie gliedert sich in ein strategisches Rahmenwerk („Kontext“) und in einen Aktionsplan. Der Kontext behandelt strategische Grundfragen und erklärt die Einbettung der Strategie in den Gesamtzusammenhang. Im Aktionsplan sind konkrete Handlungsempfehlungen zur Umsetzung in 14 Aktivitätsfeldern dargestellt.

Die Projekte in StartClim2016 bearbeiten Fragestellungen, die die Umsetzung von Handlungsempfehlungen aus der Strategie wissenschaftlich unterstützen. Dieses Jahr wurden sechs Projekte zu fünf verschiedenen Themenbereichen der Ausschreibung gefördert: "Monitoringsysteme im Naturschutz", "Spannungsfeld zwischen Flächenverfügbarkeit und biogenen Rohstoffen", "Gesellschaftliche Transformationen im Kontext von Mitigation und Adaption", "Forstschädlinge und Klimawandel" sowie "Klimawandel und Migration".

StartClim2016.A: Monitoring zur Erfassung der Auswirkungen des Klimawandels auf Biodiversität

Projektleitung: Mag. Dr. Stefan Schindler
Umweltbundesamt GmbH

Kurzfassung

Klimaveränderungen beeinflussen Verbreitung, Abundanz und Phänologie von Pflanzen, Tieren und Lebensräumen. In bestehenden österreichischen Biodiversitätsmonitoring-Konzepten wurden Klimawandelaspekte jedoch v.a. über hochalpine Pflanzen (Projekt GLORIA) und Gletscherlebensräume erfasst, blieben aber unterhalb der nivalen Zone unberücksichtigt. Ausgegend von einem Überblick über die Charakteristiken (z.B. Indikatoren, Organismengruppen, Samplingdesign) etablierter Biodiversitätsmonitoring-Systeme in ausgewählten Staaten und einer Zusammenfassung der Erkenntnisse und Monitoring-Empfehlungen aus relevanten Klimafondsprojekten soll im gegenständlichen Projekt ein Biodiversitätsmonitoring-Modul erstellt werden, das Klimawandelaspekten Rechnung trägt. Es soll zu einem derzeit zu entwickelten Biodiversitätsmonitoring1 kompatibel aber unabhängig sein. Ergebnisse beinhalten Vorschläge bezüglich des Samplingdesigns sowie zur Auswahl von Arten, Lebensgemeinschaften und Biotoptypen, die aufgrund ihrer Indikatorfähigkeit gegenüber Klimawandeleffekten zu erfassen sind. Darüber hinaus wird ein Konzept für die Erfassung von phänologischen Veränderungen von Lebensräumen und Organismen erstellt. Dabei wird berücksichtigt, dass der Klimawandel auch in tieferliegenden Bereichen Auswirkungen hat.

StartClim2016.B: Auswirkungen von Klimaveränderungen auf die Aktivitätsphasen von Tieren am Beispiel der Amphibien in Österreich und Nutzung der Pflanzenphänologie als Indikator

Projektleitung: DI Christina Czachs
Institut für Landschaftsentwicklung, Erholungs- und Naturschutzplanung, BOKU

Kurzfassung

Sowohl Tiere als auch Pflanzen werden in ihrer Entwicklung und ihrem Lebensrhythmus von äußeren Einflüssen gesteuert. Temperatur, Niederschlag und Photoperiode spielen eine große Rolle. Vor dem Hintergrund des sich ändernden Klimas wird es immer schwieriger, Beginn und Endzeit von Aktivitätsphasen der Tiere vorauszusagen. Zudem sind Veränderungen in der Demographie der Populationen sowie in der Wahl der Areale zu erwarten. Am Beispiel der ektothermen Artengruppe der Amphibien wird anhand herpetologischer Langzeitdaten und Klimadaten untersucht, ob in den letzten 50 Jahren (je nach Datenverfügbarkeit) bereits Veränderungen der Aktivitätszeiten (z.B. früheres Einsetzen der Wanderzeitpunkte) erkennbar sind und inwieweit diese mit klimatischen Veränderungen in Zusammenhang stehen. Zudem soll der mögliche Einsatz pflanzenphänologischer Phasen als Indikator für Amphibienaktivität geprüft werden. Hierzu werden Langzeitdaten phänologischer Beobachtungen ausgewertet und etwaige Zusammenhänge mit den herpetologischen Daten geprüft. Die Ergebnisse tragen dazu bei, die Auswirkung der Klimaänderung auf die Lebensphasen der Amphibien besser zu verstehen. Mit Hilfe der Pflanzen als Indikator für das Einsetzen von Wanderzeitpunkten könnten zudem Aktivitätsphasen der Tiere besser abgeschätzt und etwaige Schutzmaßnahmen (z.B. temporäre Amphibienschutzanlagen, Einsatz von freiwilligen HelferInnen) zeitlich besser abgestimmt werden. Bei positiven Ergebnissen ist eine Ausweitung der Untersuchungen auf andere Artengruppen denkbar.

StartClim2016.C: BioRoh- Biogene Rohstoffe im Spannungsdreieck Flächenverfügbarkeit, Klimawandel und künftige Ertragsverhältnisse

Projektleitung: DI Dr Michael Englisch
Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft

Kurzfassung

Biogene Rohstoffe werden sowohl stofflich, chemisch, als auch energetisch genutzt. Sowohl auf EU Ebene als auch national werden Strategien zur Förderung und Entwicklung des Sektors Bioökonomie erstellt. Abschätzungen der Potenziale sind jedoch vielfach auf aktuellen Flächen- und Ertragsver- hältnissen aufgebaut. Entwicklungsmöglichkeiten dieses Sektors unter den Bedingungen des Klimawandels und des Flächenangebotes werden zumeist nur für Teilbereiche abgeschätzt. Eine Auswertung und Zusammenschau ist für die weitere Strategieentwicklung dringend notwendig.

Im vorgeschlagenen Rechercheprojekt soll die relevante Literatur zum Thema erfasst und ausgewertet werden. Es wird eine zusammenfassende Darstellung des Wissensstandes über die erwartete Wirkung des Klimawandels auf Produktion, Verfügbarkeit und technische Verwertbarkeit biogener Rohstoffe zur chemisch-stofflichen und energetischen Nutzung erarbeitet. Der Fokus liegt auf biogenen Rohstoffen, nicht auf der Lebens- und Futtermittelproduktion. Empfehlungen, Vorschläge und Anpassungsmaßnahmen aus den ausgewer- teten Studien werden zusammenfassend dargestellt. Weiters ist die Identifizierung und Beschreibung von Forschungsfragen zur Beantwortung offener Punkte vorgesehen. Die Studie konzentriert sich auf die Situation in Österreich vor dem Hintergrund europäischer und globaler Prozesse, das Augenmerk liegt auf Produktion und Flächenverfügbarkeit.

In Form einer strukturierten Literaturstudie werden die verfügbaren Studien und Berichte erhoben, anhand von orientierenden Leitfragen ausgewertet und in Form eines Berichtes zusammengefasst. Aktuelle Diskussionsprozesse, in denen die Projektbearbeiter aktiv involviert sind, werden dazu ebenfalls herangezogen. Am Ende steht eine synthetische Übersicht, die eine konsolidierte Darstellung des Wissensstands über den Einfluss des Klimawandels auf Produktionspotentiale von biogenen Rohstoffen und notwendige Anpassungsmaßnahmen bietet. Diese Zusammenschau ist eine wichtige Grundlage für Entscheidungen auf der Fach- und Politik-Ebene zur Weiterentwicklung der Bioökonomie in Österreich.

StartClim2016.D: Bewusstseinsbildung als Motor für gesellschaftliche Transformation im Kontext des Klimawandels? Wie Gemeinden und Regionen im Rahmen der Klimaschutz- Programme e5 und KEM Klimaschutz-Bewusstsein erleben und umsetzen

Projektleitung: DI Ursula Mollay, MA MSc
Österreichisches Institut für Raumplanung

Kurzfassung

In den Diskussionen um das Thema Klimawandel nimmt der Aspekt gesellschaftliche Bewusstseinsbildung eine Schlüsselfunktion ein, von dem zumeist erhofft wird, dass dieser im Weiteren einen Umdenkprozess anstoßen und eine gesellschaftliche Transformation einläuten kann. Als Folge haben Programme wie die Initiativen e5 und KEM das Ziel der Bewusstseinsbildung bereits formal in ihre jeweiligen Arbeitsschwerpunkte aufgenommen und präsentieren diese als eine ihrer Hauptmaßnahmen. Unklar bleibt jedoch, was von der jeweiligen Initiative unter dem Begriff Bewusstseinsbildung verstanden und wie dieses Thema in deren Programmdurchführung integriert wird. In Österreich hat bis dato noch keine Begleitforschung der Aktivitäten von Klimaschutz-Initiativen stattgefunden. Das vorliegende Projekt setzt sich daher zum Ziel, diese Forschungslücke zu schließen und geht der Forschungsfrage nach: Welchen Beitrag leisten KEM-Regionen und e5 Gemeinden zum Umdenken in Richtung klimaschonenden Verhaltens? Insbesondere wird sich das vorliegende Projekt mit der „soften“ Maßnahme, der Bewusstseinsbildung, auseinandersetzen und untersuchen, inwieweit die Programme KEM und e5 sowie die an den Programmen teilnehmenden GemeindevertreterInnen Bewusstseinsbildung in ihrer Arbeit aufgreifen und integrieren. Methodisch ist, neben Internet- und Literaturrecherche, ein quantitativ- qualitativer Ansatz, mit der Erstellung eines Erhebungsfragebogens, sowie die Durchführung von ExpertInneninterviews vorgesehen. Ein transdisziplinärer Workshop mit VertreterInnen der untersuchten Gemeinden bzw. Regionen sowie Programmverantwortlichen soll ermöglichen, die Ergebnisse der Studie mit den betroffenen AkteurInnen zu diskutieren und an entscheidende Stellen zurückzuspielen.

StartClim2016.E: Erkennung von Borkenkäferbefall mittels Unmanned aerial vehicle (UAV)

Projektleitung: DI Markus Immitzer
Institut für Vermessung, Fernerkundung und Landinformation, BOKU

Kurzfassung

Dem Klimawandel wird eine wesentliche Rolle für die Zunahme von Borkenkäferschäden zugeschrieben. Nach dem „Rekordsommer“ 2015 wird für das heurige Jahr mit einem deutlichen Anstieg gerechnet. Um den Schaden möglichst gering zu halten sind verstärkte Aktivitäten zur Populationsbeobachtung und zur raschen Erkennung von Befallsherden notwendig. Zeit- und kostenintensive terrestrische Arbeiten sollten dabei durch fernerkundliche Methoden ergänzt werden. Das Potential von kommerziellen Satellitendaten hierfür wurde bereits gezeigt. Hemmende Faktoren sind dabei die Datenkosten und die geringe Flexibilität bezüglich der Aufnahmen. Der kostengünstige und flexible Einsatz von Unmanned aerial vehicles (UAV) kann einen wesentlichen Teilaspekt eines Monitoringsystems bilden. Dieses Projekt soll die Praxistauglichkeit von UAV Daten mit sehr hoher räumlichen und guter spektralen Auflösung (inkl. NIR + Thermal) untersuchen. Von Interesse sind dabei v.a. zwei Fragen:

1. Können Fichten, die von Borkenkäfer befallen sind, zeitnah und zuverlässig erkannt werden?

2. Sind zur erfolgreichen Erkennung monotemporale Aufnahmen ausreichend?

Um dies zu beantworten, wird eine Waldfläche mehrmalig beflogen. Die Analyse der aufgenommenen Daten erfolgt auf Einzelbaumniveau (automatisierte Kronenabgrenzung) wobei Unterschiede zwischen befallenen und nicht-befallenen Bäumen sowie zeitliche Veränderungen untersucht werden. Ergänzende in-situ Beobachtungen dienen der Verifizierung der Ergebnisse.

StartClim2016.F: Migration, Klimawandel und soziale und ökonomische Ungleichheiten

Projektleitung: Dr. Monika Mayrhofer
Ludwig Boltzmann Institut für Menschenrechte

Kurzfassung

Der Klimawandel hat nicht nur direkte Auswirkungen auf Migrationsbewegungen, indem er beispielsweise durch den Anstieg des Meeresspiegels Küstenregionen unbewohnbar macht, sondern auch indirekte, durch soziale, ökonomische oder politische Faktoren vermittelte Folgewirkungen, wie zum Beispiel die Verknappung ökonomischer Ressourcen. Der Klimawandel gilt daher selten als einziger direkter Auslöser von Migrationsbewegungen, sondern er wirkt sehr oft indirekt, vor allem über soziale und ökonomische Faktoren. Das Forschungsvorhaben hat zum Ziel, auf Basis der Recherche wissenschaftlicher Literatur und Studien den Wissensstand zu möglichen Migrationsszenarien im Kontext des Klimawandels darzustellen und zu analysieren, welche davon für Österreich und Europa von Bedeutung sind. Des Weiteren soll untersucht werden, ob und auf welche Weise diese Szenarien soziale, ökonomische und politische Faktoren und Ungleichheiten zwischen Bevölkerungsgruppen, die im Kontext der klimawandelbezogenen Migration eine Rolle spielen, berücksichtigen bzw. wie diese besser in diese Szenarien integriert werden können. Parallel dazu sollen statistische Sekundärdaten erhoben und analysiert werden, welche Daten es hinsichtlich möglicher Migrationsszenarien in Bezug auf Österreich und Europa gibt. Auf Basis dieser Analysen sollen einerseits Forschungsdefizite und andererseits Ansatzpunkte für mögliche Adaptionsstrategien aufgezeigt werden.

Nähere Informationen:

Nikolaus Becsi und Univ.Prof. Dr. Helga Kromp-Kolb
BOKU, Department Wasser-Atmosphäre-Umwelt
Institut für Meteorologie, Peter Jordan-Straße 82, A-1190 Wien
Tel.: 01/476 54/81418

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