StartClim2015: Weitere Beiträge zur Umsetzung der österreichischen Anpassungsstrategie

Im Rahmen von StartClim wurden heuer zum 13. Mal Projekte vergeben. StartClim versteht sich als Forschungsprogramm, das hilft, Anfänge zu setzen. Dies gilt vor allem thematisch, indem Projekte gefördert werden, die Fragestellungen aufgreifen, die für Österreich neu und im Hinblick auf die nationale Anpassungsstrategie von besonderem Interesse sind.

Die österreichische Anpassungsstrategie ist ein Meilenstein im Umgang mit den Folgen des Klimawandels. Die Strategie gliedert sich in ein strategisches Rahmenwerk („Kontext“) und in einen Aktionsplan. Der Kontext behandelt strategische Grundfragen und erklärt die Einbettung der Strategie in den Gesamtzusammenhang. Im Aktionsplan sind konkrete Handlungsempfehlungen zur Umsetzung in 14 Aktivitätsfeldern dargestellt.

Die Projekte in StartClim2015 bearbeiten Fragestellungen, die die Umsetzung von Handlungsempfehlungen aus der Strategie wissenschaftlich unterstützen. Dieses Jahr wurden fünf Projekte zu drei verschiedenen Themenbereichen der Ausschreibung gefördert: "Gesellschaftliche Transformation", "Monitoringbedarf und Evaluierung von Klimawandelanpassung" sowie "Kooperation Gebirgsforschung und Schutzwald".

Endberichte der einzelnen StartClim2015-Teilprojekte:

StartClim2015.A: Muss die Eigenvorsorge neu erfunden werden? - Eine Analyse und Evaluierung der Ansätze und Instrumente zur Eigenvorsorge gegen wasserbedingte Naturgefahren (REInvent)

Projektleitung: em. o. Prof. Dr. Axel Borsdorf
Institut für Interdisziplinäre Gebirgsforschung IGF, Österreichische Akademie der Wissenschaften

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Kurzfassung

Zahlreiche Hochwasserkatastrophen und Starkregenereignisse der letzten Dekade haben mögliche Optimierungspotentiale zur Senkung der Schäden und negativen Auswirkungen in Österreich und in Europa deutlich aufgezeigt. Während sich etwa der Schutzwasserbau, die Raumplanung und der öffentliche Katastrophenschutz auf die Kumulierung dieser Ereignisse sukzessive einstellen, wurde bis dato die Eigenvorsorge in Österreich eher punktuell und nicht systematisch betrieben. In den letzten Jahrzehnten sind auf europäischer, nationaler und lokaler Ebene von unterschiedlichen Akteuren punktuelle Aktivitäten und Maßnahmen gesetzt worden, um dem fehlenden Eigenschutz der Bevölkerung entgegenzuwirken. Diesem Angebot an Ansätzen und Methoden wurde allerdings keine langfristig angelegte Strategie im Umgang mit der Stärkung der Eigenvorsorge zu Grunde gelegt und sind daher in der Gesamtwirkung als eher gering einzustufen. Beispielhaft sind etwa die zahlreichen Broschüren im Print- und Onlinebereich zu nennen. Innovative Informationsangebote, die unterschiedliche Alters- und Zielgruppen aktiv ansprechen, sind allerdings eher die Ausnahme als die Regel. Primäres Ziel des geplanten Projekts ist es daher, die verschiedenen Methoden und Ansätze, national wie auch international mit Fokus auf den deutschsprachigen Raum, zu sammeln und ein erstes Bild einer Wirksamkeit und langfristigen Wirkung zu erhalten. Darauf aufbauend sollen „best-practice“-Beispiele und Empfehlungen definiert werden, die auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene in Österreich unter den gegebenen legislativen und organisatorischen Rahmenbedingen umsetzbar sind. Die Methodik stützt sich hierbei auf eine umfangreiche Literatur- und Internetrecherche, auf Workshops mit ausgewählten Entscheidungsträgern, auf eine nachvollziehbare Evaluierung der verschiedenen Ansätze und Methoden und Ergebnisse von Befragungen von durchgeführten Beratungen zur Eigenvorsorge in Vorarlberg. Zusätzlich werden Ergebnisse des Projekts PATCH:ES (ACRP) auf einen Mehrwert für RE-Invent geprüft.

StartClim2015.B: RELOCATE - Absiedlung von hochwassergefährdeten Haushalten im Eferdinger Becken: Begleitforschung zu sozialen Folgewirkungen

Projektleitung: Dr. Sebastian Seebauer
Wegener Center für Klima und Globalen Wandel, Universität Graz

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Kurzfassung

Die Absiedlung von Haushalten aus hochwassergefährdeten Gebieten wird zunehmend als Alternative zu konventionellen Hochwasserschutzmaßnahmen diskutiert, um zukünftigen Klimawandelrisiken zu begegnen. Die sozialen Folgewirkungen von Absiedlungsmaßnahmen sind allerdings weitgehend unbekannt. Im Eferdinger Becken werden zur Zeit Absiedlungen von 154 Haushalten vorbereitet. Bis Jahresende 2015 müssen die betroffenen Haushalte eine Entscheidung darüber treffen, ob sie das Absiedlungsangebot annehmen. Das laufende Absiedlungsprojekt bietet eine einmalige Gelegenheit, die Datengrundlage für eine sozialpsychologische Begleitforschung auf Basis einer Längsschnittanalyse zu schaffen. Der seit dem Hochwasser 2013 laufende Diskurs in dieser Region verdeutlicht die vielfältigen Spannungsfelder rund um Ursachen- und Verantwortungszuschreibung, und die Handlungsmöglichkeiten und -pflichten der verschiedenen AkteurInnen. Semi-standardisierte Interviews mit betroffenen Haushalten erfassen individuelle Entscheidungsprozesse und Meinungsbildung, erlebte Fairness sowie soziale Netzwerkstrukturen. Die enge Kooperation mit lokalen Schlüsselinstitutionen stellt dabei die notwendige Vertrauensbasis, die neutrale Rolle des Forscherteams in einem historisch gewachsenen und emotionalen Diskurs, sowie den Zugang zu den betroffenen Haushalten sicher. RELOCATE zeigt unterstützende und hemmende Faktoren bei Absiedlungsmaßnahmen auf, und macht die Erfahrungen aus dem Eferdinger Becken für andere Regionen in Österreich zugänglich. Darüber hinaus bildet das Projekt mit der Erhebung des Ist-Zustands die Datengrundlage für die Entwicklung eines weiterführenden ACRP-Projekts, das die betroffenen Haushalte über mehrere Jahre in Längsschnittanalysen begleiten soll.

StartClim2015.C: Ein Monitoring-Programm für den Einfluss des Klimawandels auf die österreichische Vogelfauna

Projektleitung: Priv.-Doz. Dr. Erwin Nemeth
BirdLife Österreich

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Kurzfassung

Der Klimawandel hat erhebliche Auswirkungen auf Verhalten und Vorkommen von Vogelarten. Klimabedingte Bestandtrends verändern auch den Schutzstatus einzelner Arten und werden dadurch zu einem immer wichtigeren Thema im Artenschutz. Notwendige Grundlagen für eine Abschätzung der Klimafolgen sind ein fundiertes Wissen um die Bestandsentwicklung betroffener Arten und daraus abgeleitete quantitative Aussagen um das Ausmaß der Veränderungen abzuschätzen. Im vorliegenden Projekt soll auf Basis des seit 1998 laufenden „Monitoring der Brutvögel Österreichs“ ein Beobachtungssystem entwickelt werden, dass möglichst effizient Klimaeinflüsse auf unsere Vogelwelt dokumentieren kann. Aufbauend auf einem bereits für Europa geschaffenen „Climate Impact Index“ soll ein nationaler an die Österreichische Vogelfauna angepasster Index entwickelt werden, der in Zukunft ein Werkzeug sein soll, um die Auswirkungen der Klimaänderung auf die Vogelbestände zu messen. Dieser Index soll mit den bereits vorhandenen Bestandsdaten aus den letzten 17 Jahren und Klimadaten auf seine Brauchbarkeit überprüft werden. Ebenso soll geprüft werden, inwieweit eine Ausweitung des Artenspektrums durch zusätzlichen Monitoring-Aufwand sinnvoll ist. Dies könnte vor allem für Alpenvögel in höheren Lagen notwendig sein.

StartClim2015.D: Sicherung der Schutzfunktionalität österreichischer Schutzwälder im Klimawandel (ProForClim)

Projektleitung: Manfred J. Lexer
Institut für Waldbau, BOKU

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Kurzfassung

Die Schutzfunktionalität der österreichischen Schutzwälder gegen Schneelawinen, Steinschlag, Hangrutschung und Erosion ist im Klimawandel durch Ökosystemprozesse auf unterschiedlichen Zeitskalen beeinflusst. Störungen durch Sturm und Borkenkäfer beeinflussen sich wechselseitig und können Schutzwirksamkeit unmittelbar aufheben oder mindern, Wachstums- und Verjüngungsprozesse sowie auf letztere einwirkender Verbiss durch Wildtiere können mittel- bis langfristig wirksam werden. Das gegenständliche Projekt analysiert simulationsgestützt für repräsentative Schutzwaldtypen in Österreich die interagierenden Wirkungen von Störungsregimen, Wachstums- und Verjüngungsprozessen unter Klimawandel- und Bewirtschaftungsszenarios über einen Zeitraum von 100 Jahren. Für drei Zeitpunkte (2030, 2050, 2090) werden indikatorbasierte Risikoprofile für die analysierten Schutzwaldtypen erstellt und die Wirksamkeit und Kosteneffizienz von Behandlungsoptionen dargestellt. In einem Stakeholder-Workshop werden die Ergebnisse vorgestellt, diskutiert und das Format für Fact-Sheets erarbeitet. Für jeden Schutzwaldtyp wird ein Fact-Sheet mit Risikoprofilen und Empfehlungen für eine Klimawandel-angepasste Behandlung zur Sicherung der Schutzwirkung erstellt.

StartClim2015.E: Erstellung von Risikoprofilen für ausgewählte Schutzwaldgebiete des Ostalpenraums (Österreich und Südtirol) in Bezug auf die Störungsregime Sturm/Schneebruch/Dürre – Borkenkäferbefall – Waldbrand und Klimawandel

Projektleitung: Univ.Prof. Dr. phil. Axel Schopf
Institut für Forstentomologie, Forstpathologie und Forstschutz, BOKU

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Kurzfassung

Windwurfereignisse, multikausale Devitalisierung von Waldbeständen, Temperaturanstieg und häufigere Witterungsextreme sind wesentliche Faktoren für die Entstehung von Massenvermehrungen verschiedener Borkenkäferarten. Diese Borkenkäferkalamitäten können tiefgreifende, flächige Veränderungen der Waldökosysteme zur Folge haben, die vor allem in Gebirgsräumen die Standorts- und Objektschutzfunktion der Wälder beeinträchtigen. Daher muss die Bewirtschaftung solcher Schutzwälder darauf abzielen, diese vor schädigenden Umwelteinflüssen auf Dauer zu bewahren. Ziel dieses Projekts ist die Erstellung von Risikoprofilen für ausgewählte Schutzwaldgebiete mit unterschiedlichen Waldtypen anhand einer Einschätzung der aktuellen und der zukünftigen Gefährdung durch abiotische und biotische Störfaktoren. Grundlage für eine umfassende Risikoabschätzung ist die Erweiterung bestehender Modellierungsansätze auf die Schutzwaldbaumarten Lärche, Zirbe, Rot- und Schwarzkiefer. Dazu werden Phänologie- und Entwicklungsmodelle bzw. wissensbasierte Prädispositions-Schätzsysteme für die Lärchen- und Kieferborkenkäfer, Ips cembrae, I. acuminatus auf Basis vorhandener Daten und Literaturangaben entwickelt sowie bestehende Systeme für den Störungskomplex Fichte-Ips typographus (PAS, PHENIPS) angewendet. Interaktionen zwischen verschiedenen Störungen und potentielle Folgeschäden, u.a. durch Waldbrand und Sekundärschädlinge, werden aufgezeigt. Die GIS-basierte Erstellung von Risikoprofilen erfolgt für mehrere Fallbeispiele im nord- und zentralalpinen Raum und soll eine generelle Entwicklung adäquater präventiver Anpassungs- und Waldmanagementstrategien im Schutzwald ermöglichen.

Nähere Informationen:

Nikolaus Becsi und Univ.Prof. Dr. Helga Kromp-Kolb
BOKU, Department Wasser-Atmosphäre-Umwelt
Institut für Meteorologie, Peter Jordan-Straße 82, A-1190 Wien
Tel.: 01/476 54/81418

startclim@boku.ac.at
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http://www.wau.boku.ac.at/met.html