StartClim2014: Beiträge zur Umsetzung der österreichischen Anpassungsstrategie

Im Rahmen des Forschungsprogramms StartClim wurden 2014 zum zwölften Mal Projekte vergeben. StartClim versteht sich als Forschungsprogramm, das hilft, Anfänge zu setzen. Dies gilt vor allem thematisch, indem Projekte gefördert werden, die Fragestellungen aufgreifen, die für Österreich neu und im Hinblick auf die nationale Anpassungsstrategie von besonderem Interesse sind.

Die österreichische Anpassungsstrategie ist ein Meilenstein im Umgang mit den Folgen des Klimawandels. Die Strategie gliedert sich in ein strategisches Rahmenwerk („Kontext“) und in einen Aktionsplan. Der Kontext behandelt strategische Grundfragen und erklärt die Einbettung der Strategie in den Gesamtzusammenhang. Im Aktionsplan sind konkrete Handlungsempfehlungen zur Umsetzung in 14 Aktivitätsfeldern dargestellt.

Die Projekte in StartClim2014 bearbeiten Fragestellungen, die die Umsetzung von Handlungsempfehlungen aus der Strategie wissenschaftlich unterstützen. Dieses Jahr wurden sechs Projekte zu fünf verschiedenen Themenbereichen der Ausschreibung gefördert: Entwicklung einer Methodik zum systematischen Screening von Witterungsverhältnissen, Tierschutz und Tiergesundheit, Wildtiere im Klimawandel, witterungsunabhängige Tourismusangebote sowie periglaziale Prozesse und Naturgefahren.

Endberichte der einzelnen StartClim2014-Teilprojekte:

StartClim2014.A: SNORRE - Screening von Witterungsverhältnissen

Projektleitung: Dr. Christoph Matulla
Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik, ZAMG

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Kurzfassung

Das Ziel von SNORRE ist die Entwicklung eines Konzepts, das Besitzer und Benutzer von Informationen über kleinräumige Extremwetterereignisse über eine Datenbank zusammenführt, Motivationsimpulse auslotet, sodass diese Informationen seitens deren Besitzer aktiv bereitgestellt werden. Die Datenbank soll die Funktion einer Kommunikationsplattform zwischen den direkt involvierten Institutionen, wie auch ein Dokumentationsforum außergewöhnlicher Wetterereignisse für die Bevölkerung darstellen. Diese Kommunikationsplattform soll in beiderseitigem Nutzen konzipiert sein, die Bevölkerung involvieren, Bewusstseinsbildung und Kommunikation fördern, die Effizienz bei von kleinräumigen Extremereignissen initiierten Einsatzabläufen steigern. Konstruktiv können diese Effekte via in die Datenbank implementierter, mittelbarer Funktionen initiiert werden. Das Erreichen dieses engagierten Zieles kann durch ein mehrstufiges Projekt gelingen an dessen Beginn SNORRE steht. Dabei sehen wir für SNORRE die im Projektablauf beschriebene Abfolge von 'Work Packages', die die Konzepterstellung zum Ziel haben.

StartClim2014.B: Entwicklung einer Bewertungsmethode für die Effekte des Klimawandels auf Produktion und Tierwohl sowie die Anpassungsfähigkeit der Nutztierhaltung

Projektleitung: Ao.Univ.Prof. Dipl.-Ing. Dr.nat.techn. Werner Zollitsch
Institut für Nutztierwissenschaften - BOKU

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Kurzfassung

Der Sektor Landwirtschaft ist einerseits Mitverursacher von klimarelevanten Gasemissionen, die landwirtschaftliche Produktion inklusive tierischer Produktion und Futterbau ist anderseits vom Klimawandel auch stark betroffen. Insofern gilt es, neben dem Klimaschutz Anpassungsstrategien an klimawandelbedingte Umweltänderungen als zweite Säule der Klimapolitik auszuarbeiten. Bisher wurden diese in der Nutztierhaltung zumeist auf die Adaptierung von Haltungssystemen reduziert. Bei systemarer Betrachtung müssen aber auch Aspekte der Fütterung und des genetischen Potenzials berücksichtigt werden. Bisherige Arbeiten zu Indikatoren, die die Bedrohung durch bzw. das Anpassungspotenzial an den Klimawandel charakterisieren, sind zumeist auf (nationale) Politikberatung hin ausgerichtet. In der vorliegenden Studie soll eine detailliertere Betrachtung auf der Einzelbetriebsebene erfolgen: Auf der Basis von Literaturbefunden sowie den Ergebnissen aus ExpertInnenInterviews erfolgt eine qualitative Systemanalyse. Darauf aufbauend werden Indikatoren zur Charakterisierung des betrieblichen Anpassungspotenzials an Klimawandelfolgen identifiziert und diskutiert. Mit einer auf der entwickelten Indikatorenliste fußenden und im Rahmen des Projekts zu entwickelnden Bewertungsmethode werden unter Bezugnahme auf prognostizierte Klimaänderungseffekte für die jeweilige Region und die betroffene Tierart potenzielle Risikobereiche für Klimawandelfolgen aus dem Blickwinkel Tierwohl, Tiergesundheit und Produktivität ausgewiesen. Des Weiteren werden konkrete einzelbetriebliche Szenarien für ausgewählte Systeme der Kuhmilch- und Schweinefleischerzeugung hinsichtlich ihres Anpassungspotenzials bewertet. Aufbauend auf die Analyse ausgewählter Betriebe werden exemplarisch Lösungsansätze für Schwachpunkte im Anpassungspotenzial, die für Beratungszwecke genutzt werden können, aufgezeigt. Neben der Entwicklung und exemplarischen Anwendung der Bewertungsmethode soll das vorgeschlagene Vorhaben auch dazu beitragen, die Bewusstseinsbildung zu den Auswirkungen des Klimawandels auf die Nutztierhaltung zu fördern.

StartClim2014.C: Einflüsse von Außentemperatur auf die Leistung und Gesundheit von Milchkühen unter Berücksichtigung verschiedener Haltungsfaktoren

Projektleitung: PD Dr. Birgit Fürst-Waltl
Institut für Nutztierwissenschaften - BOKU

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Kurzfassung

Langanhaltende Perioden mit hohen Außentemperaturen, insbesondere in Zusammenhang mit hoher Luftfeuchtigkeit, können neben Auswirkungen auf die Futtergrundlage auch zu direkten Problemen bei Rindern führen. Das betrifft die Regulationsfunktion des Körpers bei der Wärmeabgabe an die Umgebung, was durch hohe Milchleistung und die dadurch bedingte höhere Stoffwechselaktivität verstärkt wird. Es ist davon auszugehen, dass bestimmte bauliche Maßnahmen bei der Rinderhaltung die Einflüsse von Temperatur und Luftfeuchtigkeit auf das Einzeltier zumindest teilweise ausgleichen können. Im Rahmen des Projektes Efficient Cow (www.dafne at, Projekt Nr.100861) werden aktuell bei 168 Betrieben detaillierte Erhebungen hinsichtlich der Optimierung der Produktionseffizienz durchgeführt. Dazu werden z.B. genaue Daten zur Fütterung und Gesundheit der Tiere erhoben. Mit Hilfe eines weiteren Erhebungsbogens, der spezielle stallklimarelevante Fragen beinhalten soll, könnten die Betriebsdaten mit den Milchleistungsdaten aus dem österreichischen Rinderdatenverbund verknüpft werden. Bei Auswertung von Betrieben für die repräsentative Wetterdaten vorliegen, kann so ein möglicher Einfluss der Außentemperatur (bzw. Luftfeuchtigkeit) auf Milchleistung und Tiergesundheit und damit auf Hitzestress und auf vermindertes Wohlbefinden unter Berücksichtigung verschiedener Haltungsfaktoren analysiert werden.

StartClim2014.D: Zur Bedeutung des Klimawandels für Ernährung und Krankheiten alpiner Wildarten

Projektleitung: Univ. Doz. Dr. Armin Deutz, Dipl. ECVPH
Gesellschaft für Wildtier und Lebensraum, GWL

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Kurzfassung

Wildtiere des Alpenraumes wie Gams-, Stein- und Rotwild oder Auer-, Birk-, Hasel- und Schneehuhn werden in den letzten Jahrzehnten mit sich wandelnden und neuen Lebensraumfaktoren sowie Krankheitserregern und Infektionsrisiken konfrontiert. Neben der ganzjährigen Mehrfachnutzung alpiner Lebensräume, dem Ansteigen der Waldgrenze oder schwindenden optimalen Überwinterungsgebieten verursachen höhere Durchschnittstemperaturen oder Hitzeperioden vermutlich auch eine Veränderung in der pflanzlichen Wachstumsdynamik. Diese Veränderung kann sich in der Ertragsentwicklung der Äsungsflächen positiv, in der Qualität und Biomasseverteilung des Jahres aber negativ auswirken. Gehaltsärmere und schlechter verdauliche Nahrung kann zumindest bei Jungtieren, die sowohl noch wachsen müssen als auch Fettreserven für den Winter anlegen sollen, zu einem schlechteren Ernährungszustand im Herbst und damit zu höheren Fallwildverlusten im Winter führen. Steigende Rotwildbestände könnten auch eine Konkurrenzverhältnis mit Gamswild bewirken und den Schadensdruck im Bergwald (z.T. Schutzwald) steigen lassen. Auch ein erhöhter Jagddruck auf Freiflächen könnte zum längeren Aufenthalt in schadensanfälligen Wäldern führen. Um diese möglichen und weitere Faktoren gewichten zu können, ist es notwendig diese Einflussgrößen erst einmal zu erfassen.

Änderungen sind ebenfalls in Bezug auf Krankheitserreger, deren Verbreitung oder in Richtung steigendem und jahreszeitlich verlängertem Infektionsdruck wahrzunehmen. So können Infektionen mit einigen Innenparasiten zumindest bei Hauswildwiederkäuern bereits in Lagen von rund 1.800 m bis 2.000 m stattfinden oder durch Zecken übertragene Erkrankungen werden bereits auf einer Seehöhe von rund 1.500 m diagnostiziert (DEUTZ u. DEUTZ, 2011). Diese Phänomene, verbunden mit den z.T. immunsuppressiv wirkenden Lebensraumfaktoren oder regional geänderten Düngeverfahren (Gülledüngung) werden sich vermutlich auch auf die Wildtiergesundheit und damit auf die Entwicklung von Populationen auswirken. Bei einem frühzeitigen Erkennen dieser einzelnen Faktoren müsste es zumindest möglich sein, einige wirksame landwirtschaftliche, jagdliche oder forstliche Gegenstrategien zu entwickeln.

StartClim2014.E: Witterungsunabhängige Tourismusangebote basierend auf Naturerlebnisangeboten – Bedeutung und innovative Entwicklungen

Projektleitung: Univ. Prof. Dr. Ulrike Pröbstl-Haider
Institut für Landschaftsentwicklung, Erholungs- und Naturschutzplanung - BOKU

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Kurzfassung

Aktuelle Forschungsergebnisse, die sich mit den wichtigsten Urlaubersegmenten für Österreich beschäftigen, zeigen übereinstimmend eine hohe Bedeutung von Naturerlebnis- und naturtouristischen Angeboten im Sommer. Internationale Vergleiche und Angebote, zum Beispiel von Parks Canada in Victoria Island, mit ungünstigen Wetterbedingungen und hohen Niederschlägen, verdeutlichen, dass gut durchdachte Angebote nicht durch Wetterbedingungen eingeschränkt sein müssen, sondern – bei richtiger Gestaltung – einen eigenen Reiz darstellen können. Vor diesem Hintergrund sollen witterungsunabhängige Tourismusangebote, die auf Naturerlebnisangeboten basieren, in Österreich erhoben werden und mit internationalen Angeboten verglichen werden. Darauf aufbauend sollen neue Angebote in diesem Bereich entwickelt und bestehende und geplante Angebote in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) diskutiert und auf ihre Praxistauglichkeit, Beschäftigungseffekte und Zielgruppenansprache evaluiert werden. Geeignete Maßnahmen werden so aufbereitet, dass sie mit Partnern umgesetzt werden könnten. Die Ergebnisse werden in einer gemeinsamen Veranstaltung präsentiert.

StartClim2014.F: permAT – Langzeitmonitoring von Permafrost und periglazialen Prozessen und ihre Bedeutung für die Prävention von Naturgefahren: Mögliche Strategien für Österreich

Projektleitung: Dr. Andreas Kellerer-Pirklbauer-Eulenstein
Institut für Geographie und Raumforschung, Universität Graz

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Kurzfassung

Permafrost und dessen Einfluss auf periglaziale Prozesse und Naturgefahren wird in Österreich als klimasensitives Phänomen im Gegensatz zu anderen Phänomenen noch nicht durch „institutionalisiertes“ Monitoring erfasst. Das Ziel dieses Projektes ist es Strategien aufzeigen, die es ermöglichen in Österreich ein langfristig wirksames Monitoringnetzwerk zur Beobachtung von Permafrost und periglazialen Prozessen einzurichten, wobei neben der naturwissenschaftlichen Komponente auch der Aspekt der Naturgefahrenprävention berücksichtigt werden soll. Grundlage hierzu bilden die Erfassung des Status Quo in Österreich, der Austausch mit vorhandenen Monitoringnetzwerken in anderen Alpenländern (PERMOS; PermaFRANCE; APD) und darüber hinaus (NORPERM; Global: GCW, Cryonet, GTN-P). Insbesondere Fragen zur Standardisierung der Langzeitaufzeichnungen und auch Modellentwicklungen sollen hier geklärt werden. Ein weiterer Kern des Projektes ist ein Workshop zu welchem nationale ForscherInnen im Bereich Periglazial und Permafrost, Vertreter relevanter nationaler und internationaler Vereinigungen, sowie interessierte Stakeholder eingeladen sind teilzunehmen, um gemeinsam eine nationale Strategie zu entwickeln. Diese Veranstaltung wird gemeinsam mit dem CCCA-Servicezentrum angekündigt, geplant und durchgeführt werden. Die Ergebnisse dieser Tagung gehen in die Entwicklung einer Strategie zum Aufbau eines langfristigen Monitoringnetzwerkes periglazialer Prozesse in Österreich, welche in der Form eines community white paper durchgeführt und veröffentlicht werden soll.

Nähere Informationen:

Nikolaus Becsi und Univ.Prof. Dr. Helga Kromp-Kolb
BOKU, Department Wasser-Atmosphäre-Umwelt
Institut für Meteorologie, Peter Jordan-Straße 82, A-1190 Wien
Tel.: 01/476 54/81418

startclim@boku.ac.at
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