StartClim2013: Anpassung an den Klimawandel in Österreich – Themenfeld Wasser

Im Rahmen des Forschungsprogramms StartClim wurden bereits zum elften Mal Projekte vergeben. StartClim versteht sich als Forschungsprogramm, das hilft, Anfänge zu setzen. Dies gilt vor allem thematisch, indem Projekte gefördert werden, die Fragestellungen aufgreifen, die für Österreich neu und im Hinblick auf die nationale Anpassungsstrategie von besonderem Interesse sind.

Die österreichische Anpassungsstrategie ist ein Meilenstein im Umgang mit den Folgen des Klimawandels. Die Strategie gliedert sich in ein strategisches Rahmenwerk („Kontext“) und in einen Aktionsplan. Der Kontext behandelt strategische Grundfragen und erklärt die Einbettung der Strategie in den Gesamtzusammenhang. Im Aktionsplan sind konkrete Handlungsempfehlungen zur Umsetzung in 14 Aktivitätsfeldern dargestellt.

Die Projekte in StartClim2013 bearbeiten Fragestellungen, die die Umsetzung von Handlungsempfehlungen aus der Strategie wissenschaftlich unterstützen bzw. notwendige Grundlagen für die Planung und Umsetzung von Handlungsempfehlungen liefern. Der Großteil der dieses Jahr geförderten Projekte liegt im Themenfeld "Wasser", eine Arbeit beschäftigt sich mit Genderfragen im Kontext von Naturgefahren, und schließlich behandelt ein Projekt das Thema "landwirtschaftliche Schädlinge".

Aussendung Umweltbundesamt

Errata: In der CD- und Printversion des Folders hat sich bedauerlicherweise ein Fehler eingeschlichen: Der Titel des Projektes auf Seite 6 (StartClim2013.D) lautet korrekterweise "Anpassungsempfehlungen für die Raum- und Regionalentwicklung in hochwassergefährdeten Gebieten". Der Fehler wurde in der hier verfügbaren Online-Version korrigiert.

Endberichte der einzelnen StartClim2013-Teilprojekte:

StartClim2013.A: Thermischer Stress der Bachforelle an der Oberen Traun während des Sommers

Projektleitung: Harald Ficker, M.Sc.
Forschungsinstitut für Limnologie Mondsee - Universität Innsbruck

Download Endbericht StartClim2013.A (ca. 0,8 MB)

Kurzfassung

Hohe Temperaturen können sich auf das Verhalten von Bachforellen und auf deren Wachstum, Reproduktion und Sterberate auswirken und schließlich zu einer Verdrängung durch besser angepasste Fischarten führen. Beobachtungen an der Oberen Traun im Sommer 2012 zeigten das hohe Temperaturen (bis zu 21°C an der Bachsohle) vor allem große Bachforellen, welche einen besonderen ökologischen und ökonomischen Wert darstellen, negativ beeinflussen können. So mussten im August 2012 Ausfälle, vor allem großer Bachforellen, verzeichnet werden. Anpassungen an die Auswirkungen des Klimawandels in der Flussraumbetreuung und der Bewirtschaftung von Forellengewässern sind nötig um thermische Habitate der Bachforelle zu erhalten bzw. ungünstige thermische Einflüsse zu identifizieren. Wie sich das Verhalten der Bachforelle in Bezug auf hohe Temperaturen und ein verändertes Abflussregime im Sommer ändert und wie einzelne Habitate der Bachforellen angepasst und damit erhalten werden können, ist in Österreich und international jedoch wenig untersucht (Schmutz, 2008; Jonsson & Jonsson, 2012).

Innerhalb des StartClim-Projektes sollen Verhaltensänderungen der Bachforelle in Bezug auf Habitat und Sommertemperatur in der Oberen Traun untersucht werden. Temperaturdaten einzelner Gewässerabschnitte werden über die Sommermonate dokumentiert. Gleichzeitig wird das Vorkommen und die Abundanz der Bachforelle, insbesondere großer Individuen, über Beobachtungen in den verschiedenen Habitaten erfasst. Mit den Ergebnissen werden Erkenntnisse über wertvolle Sommerhabitate an den Zuflüssen der Oberen Traun gewonnen bzw. thermische Störfaktoren identifiziert. Im letzten Abschnitt des Projektes werden zusätzlich externe Daten in das Projekt einbezogen und Strategien für die Anpassung an den Klimawandel in der Forellenregion entwickelt bzw. evaluiert.

StartClim2013.B: Überflutungsflächenverlust und Hochwasserrisiko unter Berücksichtigung des Klimawandels

Projektleitung: Univ.Prof. Dipl.-Ing. Dr. Helmut Habersack
Institut für Wasserwirtschaft, Hydrologie und konstruktiven Wasserbau - BOKU

Download Endbericht StartClim2013.B (ca. 4,9 MB)

Kurzfassung

Die durch Hochwasser verursachten Schäden sind in Österreich und Europa in den letzten Jahren deutlich angestiegen. Dies resultiert einerseits aus Veränderungen in den Einzugsgebieten (z.B. Verlust von Retentions- und Überflutungsräumen), welche das Hochwasserrisiko flussab verschärfen, andererseits durch die Zunahme an höherwertigen Nutzungen auf potenziell hochwassergefährdeten Flächen. Daher fordern die österreichische Strategie zur Anpassung an den Klimawandel und die EU-Hochwasserrichtlinie, dass im Rahmen eines integrierten Hochwasserrisiko-Managements bestehende Überflutungsflächen erhalten und verloren gegangene Überflutungsflächen wiederhergestellt werden sollen.

Das Ziel dieses Projektes besteht in der Darstellung der Auswirkungen von Überflutungsflächenverlusten entlang von Flussläufen auf die Hochwassersituation. Hierbei wird anhand historischer Analysen und zukünftiger Prognosen ermittelt, wie sich die Hochwassersituation und das Schadensausmaß ändern würden, wenn man den Flüssen mehr Raum geben würde. Die Berücksichtigung von verschiedenen Szenarien (Annahmen über erhöhte oder öfters eintretende Hochwässer) soll zeigen, welche Überflutungsräume bzw. Managementstrategien in Hinblick auf den Klimawandel besonders effektiv sind und als „Puffer“ für etwaig verstärkte Extremereignisse dienen können.

StartClim2013.C: Abflussszenarien im Einzugsgebiet der Ötz unter Berücksichtigung von zukünftigen Veränderungen der Kryosphäre

Projektleitung: Dr. Kathrin Schneider, Dr. Matthias Huttenlau
alpS GmbH - Centre for Climate Change Adaptation Technologies

Download Endbericht StartClim2013.C (ca. 3,7 MB)

Kurzfassung

Alpine Einzugsgebiete sind durch nivale oder glazio-nivale Abflussregime gekennzeichnet. Die jahreszeitliche Verteilung des Abflusses wird von den Schnee- und Eisressourcen der Kryosphäre stark beeinflusst. Mit einer langfristigen Veränderung des Klimas verändern sich diese Wasserspeicher und damit der Wasserhaushalt der Einzugsgebiete. Vergletscherte Einzugsgebiete wie das Ötztal reagieren besonders sensitiv auf Änderungen der Kryosphäre und den damit verbundenen hydrologischen Auswirkungen. Das Ötztal hat eine herausragende Stellung in der Österreichischen und internationalen Gletscherforschung und verfügt deswegen über eine umfassende Datengrundlage der Gletscherentwicklung der letzten Jahrzehnte. Auf Basis dieser Datengrundlage werden in diesem Projekt zukünftige Gletscherszenarien im Ötztal generiert. Diese dienen, neben räumlich verteilten klimatologischen Prognosedaten, als Eingangsgröße für hydrologische Modellierungen des zukünftigen Abflusses. Mit den steigenden Temperaturen und den geänderten Wetterlagen ist auch mit einer Erhöhung der Schneefallgrenze zu rechnen. Die Schneefallgrenze hat eine große Auswirkung auf die Massenbilanz der Gletscher und im Sommer gravierende Auswirkungen auf den Abfluss. Im Rahmen des Projektes werden klimawandelbedingte Änderungen Kryosphäre hinsichtlich ihres Einflusses auf den Abfluss untersucht. Mit dem Projekt soll der Einfluss des sich wandelnden Klimas auf das Abflussgeschehen in einer alpinen, vergletscherten Talschaft erhoben werden, das aufgrund der sozio-ökonomischen Nutzung (z.B. Tourismus und Wasserwirtschaft) sensitiv gegenüber Änderungen des Naturraums ist. Die Ergebnisse der Studie sollen in weiteren Projekten als Grundlage für eine Vulnerabilitäts- und Risikoanalyse verwendet werden, um Anpassungsmaßnahmen für sich ändernde hydrologische Rahmenbedingungen entwickeln zu können.

StartClim2013.D: Anpassungsempfehlungen für die Raum- und Regionalentwicklung in hochwassergefährdeten Gebieten

Projektleitung: DI Bettina Wanschura
PlanSinn GmbH - Büro für Planung und Kommunikation

Download Endbericht StartClim2013.D (ca. 1,1 MB)
Download Anhang zu StartClim2013.D (ca. 0,03 MB)

Kurzfassung

In Österreich wurde eine nationale Anpassungsstrategie an den Klimawandel erarbeitet, die im Aktivitätsfeld Wasserhaushalt und Wasserwirtschaft für den Bereich Hochwasser einen erhöhten Forschungsbedarf festhält. (BMLFUW, 2012).1 Der Bund wird gemäß den Vorgaben der Europäischen Hochwasserrichtlinie bis Ende 2013 für alle Risikogebiete so genannte Hochwassergefahren- und Hochwasserrisikokarten und bis Ende 2015 Hochwasserrisikomanagementpläne erstellen. Der Anteil der signifikanten Risikogebiete in Österreich liegt bei 7,1 % der Gesamtlänge aller untersuchten Gewässer. Salinas J. L. et al.2 beschreiben für die Gebiete mit Sommerniederwasser eine signifikante Tendenz der Zunahme von Hochwassern. Für alpine Räume mit Winterhochwassern fehlt diese harte Faktenlage zum Nachweis der Dependenz zwischen Klimawandel und dem Anstieg der Hochwasserereignisse. Dennoch stellt jedes Hochwasser die Raumplanung vor enorme Herausforderungen und Strategien für den Umgang mit Hochwassern und unsicheren Perspektiven sind zeitgerecht zu überlegen. Im Zuge dieses Projekts werden Anpassungsempfehlungen für die Raum- und Regionalentwicklung in Hochwasserrisikogebieten aufgezeigt. Basierend auf der Analyse bestehender europäischer Anpassungsstrategien in Regionen entlang von Fließgewässern und von ausgewählten nationalen und internationalen Best-Practice- Beispielen werden unter Einbindung von Stakeholdern relevante Maßnahmen für österreichische Flusslandschaften identifiziert und Empfehlungen für geeignete Anpassungsmaßnahmen abgegeben. Die Ergebnisse werden so aufbereitet, dass sie in die Erarbeitung der österreichischen Hochwasserrisikomanagementpläne einfließen können.

StartClim2013.E: Wie und wo verändern sich die österreichischen Flüsse durch den Klimawandel? Interdisziplinäre Analyse im Hinblick auf Fischfauna und Nährstoffe

Projektleitung: Assoz.Prof. Dr. Mag. Thomas Hein
Institut für Hydrobiologie und Gewässermanagement - BOKU

Download Endbericht StartClim2013.E (ca. 1,2 MB)

Kurzfassung

Der Klimawandel wird sehr wahrscheinlich Temperatur- und Abflussregime der österreichischen Fließgewässer deutlich verändern. Beide Faktoren zählen zu den wichtigsten Einflussfaktoren der Fließgewässerökologie. Folglich ist mit einer Anpassung der Biozönosen sowie mit Auswirkungen auf den Nährstofftransport in den Flüssen zu rechnen. Zum einem geben Nährstoffkonzentrationen selbst Aufschluss über die Gewässergüte bzw. die Stoffumsetzungsprozesse von Fließgewässer, zum anderen wird die Fischfauna als ein wichtiger Indikator zur Bewertung der ökologischen Funktionsfähigkeit gesehen. Ziel dieses Projektes ist es, exemplarisch für einen Teil der österreichischen Fließgewässer zu erwartende Veränderungen (1) der Nährstoffkonzentrationen und (2) der Wassertemperatur und (3) daraus resultierende Risiken hinsichtlich der Fischzönose abzuschätzen.

StartClim2013.F: Gender Impact Assessment im Kontext der Klimawandelanpassung und Naturgefahren (GIAKlim)

Projektleitung: Univ.Ass.in Dipl.-Ing.in Dr.in Doris Damyanovic
Institut für Landschaftsplanung - BOKU

Download Endbericht StartClim2013.F (ca. 1,4 MB)
Download Anhang zu StartClim2013.F (ca. 2,2 MB)

Kurzfassung

Im Fokus des Projekts „Gender Impact Assessment im Kontext der Klimawandelanpassung und Naturgefahren“ (GIAKlim) stehen konkrete Naturgefahren wie Muren und Überschwemmungen, die als Folge der Zunahme von Starkregenereignissen im Zuge des Klimawandels in Österreich vermehrt auftreten werden. Anhand konkreter Beispiele wird geprüft, welche genderrelevanten Aspekte in den zugrundeliegenden (Planungs-)Strategien zur Vermeidung oder Minderung enthalten sind, ob und wie die Entscheidungsprozesse (und eine gegebenenfalls durchgeführte Beteiligung) auf geschlechtsspezifische Sichtweisen Rücksicht genommen haben, aber auch wie die konkreten Ereignisse von Frauen und Männern wahrgenommen wurden, wie sie davon betroffen waren und wie sie darauf reagiert haben.

Eine genderspezifische Betrachtungsweise im Kontext der Klimawandelanpassung und Naturgefahren bedeutet, alle Phasen eines Entwicklungs- und Entscheidungsprozesses, von der Entwicklung der Strategie bis hin zu den konkreten Maßnahmen und deren Auswirkungen zu betrachten. Gender Mainstreaming als Querschnittsmaterie verstanden, bedeutet, in jedem Schritt eine gendersensible Sichtweise einzunehmen und zu berücksichtigen. Durch die Anwendung eines Gender Impact Assessments, also der (ex-ante) Prüfung von Strategien und Anpassungsmaßnahmen werden sowohl konkrete, bestehende Maßnahmen nach ihren genderspezifischen Auswirkungen geprüft, als auch die Grundlagen für ein (übertragbares) Instrument für zukünftige Prüfungen von klimarelevanten Ereignissen, Maßnahmen oder Strategien, erarbeitet.

StartClim2013.G: Validierung des auf Bodentemperatur und Bodenfeuchte basierenden Drahtwurm-Prognosemodells SIMAGRIO-W im ost-österreichischen Ackerbaugebiet

Projektleitung: Dr. Bernhard Kromp
Bio Forschung Austria

Download Endbericht StartClim2013.G (ca. 1 MB)

Kurzfassung

Drahtwürmer, die bodenlebenden Larven von Schnellkäfern (Coleoptera, Fam. Elateridae) können durch unterirdischen Fraß an Wurzeln und Spross bedeutende Schäden an verschiedenen Kulturpflanzen verursachen. Aufgrund steigender Durchschnittstemperaturen als Folge des Klimawandels kann es einerseits zu einem höheren Schaddruck wärmeliebender einheimischer Arten wie auch zu einem Einwandern neuer Arten aus dem mediterranen Raum kommen. Um auf einen steigenden Drahtwurm-Schaddruck zeitgerecht reagieren zu können, benötigen die LandwirtInnen eine praxistaugliche Risikoanalyse.

In Abhängigkeit von Bodentemperatur und Bodenfeuchte, wandern Drahtwürmer in der Bodensäule auf und ab. Wenn sie sich in der obersten Bodenschicht aufhalten, ist das Schadensrisiko besonders hoch. Das in Deutschland entwickelte Drahtwurm-Prognosemodell SIMAGRIO-W berechnet den Anteil der Drahtwurmpopulation, der sich in den obersten 15 cm der Bodensäule (= Schadzone) aufhält. Die Eingabeparameter sind Bodentemperatur und –feuchte, die Ausgabe wird nach Bodenart differenziert. In einer ersten Validierung im deutschen Bundesland Rheinland-Pfalz wurden die vom Modell berechneten Populationsanteile in den obersten Bodenschichten mit tatsächlich erhobenen Werten verglichen. Dabei wurde eine Trefferquote von über 80% erreicht. Eine hohe Drahtwurmaktivität in der Schadzone konnte sehr effizient prognostiziert werden. Im vorliegenden Projekt soll SIMAGRIO-W erstmals unter den klimatischen Bedingungen und dem Drahtwurm-Artenspektrum im ost-österreichischen Ackerbaugebiet eingesetzt und validiert werden. Die Validierungsstandorte werden auf Bio-Praxisbetrieben eingerichtet. Das Modell und die Validierungsergebnisse sollen mit den LandwirtInnen vor Ort besprochen und Einsatzmöglichkeiten in der Praxis im Rahmen von Vorbeugemaßnahmen von Drahtwurmschäden erarbeitet werden.

Nähere Informationen:

Nikolaus Becsi und Univ.Prof. Dr. Helga Kromp-Kolb
BOKU, Department Wasser-Atmosphäre-Umwelt
Institut für Meteorologie, Peter Jordan-Straße 82, A-1190 Wien
Tel.: 01/476 54/81418

startclim@boku.ac.at
http://www.startclim.at
http://www.wau.boku.ac.at/met.html